Zur Erkenntnistheorie

 

Die Probleme der Philosophie erscheinen erst mit dem Denken. Solange die Wirklichkeit nur existiert, ohne erkannt zu werden, besitzen die Dinge diese oder jene Eigenschaft, und es gibt nichts ausser diesem fraglos wahren So-sein der Materie. Dies wird uns am eindringlichsten auf gewissen Photos der NASA vorgefuehrt, mit einsamen Marslandschaften, die sich bis zur Unendlichkeit erstrecken.

Sobald die Wirklichkeit aber von einem Bewusstsein wahrgenommen wird, gehoert diese Erscheinung nicht mehr zum reinen So-sein der Materie. Noch die krudeste Wahrnehmung und selbst eine triviale Sinnestaeuschung koennen zu tiefsinnigen Reflexionen Anlass geben, mehr noch: da die Materie ihre eigentliche Substanz und Wesenseigenschaften fuer uns hinter einer Fassade aus Erscheinungen verbirgt, ist der Zweifel an der Qualitaet unserer je aktuellen Wahrnehmung die Grundlage fuer jedes philosophische und wissenschaftliche Fortkommen. Dies Fortkommen ist die Bewegung zur Wahrheit.

Ueber Wahrheit
 
Realitaet ist eine Illusion,
die durch Mangel an Alkohol entsteht.
irische Saeuferweisheit
 

Die Wahrheit ist eigentlich die wichtigste Grundlage fast aller Kategorien, vor allem natuerlich der Erkenntnis, in der sie zuweilen (aber nicht immer) aufscheint und die sie erst wesentlich macht. Nach ihr trachte man mehr als nach Wissen und Verstehen.

Doch scheint sie schwer zu finden, ja moeglicherweise ist sie eine Schimaere, eine Fata Morgana des Verstandes, die uns einen imaginaeren Idealzustand des Geistes vorgaukelt. - Und doch, selbst in ihrer virtuellen Existenz bleibt sie eine unerlaessliche Richtschnur, wenn sich die Erkenntnis nicht in Beliebigkeit verlieren soll. 

Die Wahrheit ist eine aeusserst vielschichtige Qualitaet. Sie verbindet die Einsicht in sich selbst mit dem Guten und mit einem dritten, kosmischen Element. Auch das Wissen, d.h. die geronnene Erkenntnis, hat sein Gutes, aber nur insofern es zweckgenutzt werden kann, sonst ist es billiges Spiel. Die Luecke zwischen Zweck-Interesse-Egoismus und dem ethischen Antrieb wird eben von der Wahrheit geschlossen.

Uebrigens ist sie ein ewiger Vorgang, da hinter der ersten Erkenntnis, so genau sie auch verifiziert worden ist, das zweite Warum steht, und hinter der zweiten Antwort das dritte Warum usw bis ins Unendliche. Wenn ein Ingenieur die Ursache eines Schadens gefunden hat, ihn behebt und seine Maschine wieder zum Laufen bringt, weiss er meist nur ungefaehr, woran es gelegen hat.

Die tieferen Gruende werden ihm in vielen Faellen verborgen bleiben und ihn auch nicht interessieren, solange das System wieder funktioniert. Dazu muesste er ueber die Mechanik hinausgehen und weitergehende Untersuchungen ueber die innere Struktur der Materie anstellen. Er wuerde ueber die Chemie zur Elementarteilchenphysik und zu immer feineren Erkenntnissen gelangen, immer mehr Wissen anhaeufen und immer neue Fragen wuerden sich auftun. Die Gesamtheit dieses Vorganges ist die (unendliche) Suche nach der Wahrheit.

So arbeiten Wissenschaft und Philosophie, und so ist es auch mit dem theoretischen Wissen der Mathematik, das in manchen Teilbereichen keinen Bezug auf die reale Welt nimmt. Doch das ist nur scheinbar der Fall.

Denn jede Mathematik rekurriert zuletzt auf Zahlen und Geometrie. Gewiss, diese sind Erfindungen des Kopfes und in der realen Welt SO nicht zu finden, sind Idealkonstruktionen, die ein eigenes Leben fuehren. Doch ein Wesenszug der Realitaet und der menschlichen Intelligenz besteht darin, dass sich solche inneren Entitaeten mit aeusseren Gegenstaenden verknuepfen lassen (und dabei praktikable Handlungsschemata herauskommen, welche zuletzt und zuerst der Arterhaltung dienen). 

Und wo ist jene ideale Welt zu finden? In unseren Hirnen natuerlich, wo auch die Gesellschaft existiert, als ein allgegenwaertiger kollektiver Bewusstseinszustand, der mit den Mitteln des Verstandes die Naturwelt lenken und beherrschen will. Wie Meinungen, Theorien, sozialen Empfindungen und Gefuehlen ueberhaupt kommt ihr eine Wirklichkeit jenseits der natuerlichen Realitaet zu.

Gewiss ist das 'Existieren' eines gedanklichen Musters von anderer Art als das eines realen Objektes, da es nicht in der aeusseren Wirklichkeit, sondern im Kopf entworfen wird. Und doch darf in beiden Faellen von Existenz die Rede sein - nicht nur weil unsere Gedanken auf denselben kleinsten Einheiten (Atome, Molekuele, Stroeme) wie die realen Objekte fussen, sondern weil die Wahrheit der Materie auch nur in Erscheinungen kodiert ist. - Dass Ideen wahr oder falsch (oder in einer mehrwertigen Logik auch ein drittes oder viertes) sein koennen, ist eine Eigenschaft, die ihnen anhaftet ... wie die Farbe der Rose. 

Auch wenn diese Welt der Univeralien, der geistigen Wesenheiten, nur in unseren Koepfen existiert, haben doch die meisten Erkenntnisse, am Anfang und am Ende eine Beziehung zur Wirklichkeit. Wenn ich sage "Hamburg liegt noerdlich von Muenchen", ist der Begriff des Nordens eine Denkfigur des Kopfes, jedoch eine, die einem bestimmten Zusammenhang in der aeusseren Wirklichkeit entspricht. Die Staedte Hamburg und Munechen moegen als Zusammenfassungen von Haeusern und Siedlungen nur Interpretationen und geistige Gegenstaende sein, doch sie sowohl wie der Begriff des Nordens entsprechen realen Zusammenhaengen, zwischen denen die Eigenschaft "noerdlich von" eine wiederum reale Beziehung stiftet. So koennen wir indirekt, indem wir Begriffe und Entitaeten unseres Bewusstseins benutzen, wahre oder falsche Relationen zwischen realen Dingen behaupten und damit unser Verstaendnis der Welt befoerdern.

Uebrigens bildet das Denken bestaendig solche Muster - darin besteht geradezu sein Wesen - ... und es wendet sie auch auf sich selber an, indem es Metabegriffe formt, deren Sinngehalt sich nicht in der Anwendung auf aeussere Objekte, sondern auf solche des Geistes erschliesst.

Von der Beschraenktheit des Verstandes

Unsere Gehirne sind alle von aehnlicher Struktur (so dass wir einander verstehen und mitteilen koennen) und von der millionenjahrelangen Ausrichtung auf die Naturwelt gepraegt. Aufgrund dieser spezifischen Anpassung sind durchaus Erkenntnisse denkbar, die der menschlichen Intelligenz per se verschlossen bleiben. Unsere Ratio ist wie ein fruchtbarer Garten voll schoener Blumen und Nutzpflanzen, der von einer hohen Mauer umgeben ist. So viele Gewaechse wir auch zuechten, ueber jene eine Huerde werden wir nie hinauskommen. 

Was jedoch einmal in unser Denken Eingang gefunden hat, weil es der Evolution und den Gesetzen der Umwelt nicht gaenzlich zuwiderlaeuft, mit dem kommen wir besser zurecht als mit allen komplexen unmittelbaren Zwaengen der Aussenwelt; denn es ist geglaettet und idealisiert und direkt in unseren Koepfen verfuegbar, es kann beliebig zerlegt und gewendet werden und gehoert dem Intellekt allein. Die theoretische Physik zum Beispiel macht ausgiebig Gebrauch von 'Gedankenexperimenten', um den Schwanz der Eidechse zu fassen zu kriegen, die man Natur nennt.

Auch jenes Wissen, welches wir von der Natur ansammeln, erfahren wir nur innerhalb idealisierter Vorstellungen (Modelle) von ihr, und die Saetze, die im Rahmen solcher Modelle formuliert werden, haben im besten Fall einen Wahrheitswert wie Saetze der Mathematik (in minderen Faellen sind sie 'halbe' Wahrheiten, bedenkenswert nur als Stufen auf dem Weg zum Wissen). Die mathematische Gewissheit ist die Elle, an der sich die anderen Wissenschaften messen lassen, ohne sie je zu erreichen.

Ein wichtiges Prinzip der Mathematik ist das Induktionsgesetz, wo man aus zwei Nachweisen - erstens, dass eine Aussage fuer n=0 und zweitens, dass, wenn sie fuer ein n gilt, sie auch fuer n+1 gilt - folgert, dass die Aussage fuer jedes n richtig ist. Solche apriorischen Denkgesetze gibt es in der Mathematik, der Logik und der Modellbildung zuhauf, und sie gelten dort in einem sehr strengen Sinn (auch wenn man selbst dort, um die Erkenntnis voranzutreiben, mitunter seltsame Spruenge des Denkens in Kauf zu nehmen hat), man kann geradezu sagen, dass es strenge apriorische Erkenntnisse nur zwischen den geistigen Wesenheiten geben kann.

Mit immer subtileren Methoden versucht die Wissenschaft, die Gleichgewichtszustaende der Welt und ihre Stoerungen zu verstehen, doch obwohl man sich alle moegliche und unmoeglichen Denkfiguren dafuer zurechtlegt, erreicht doch die Beweiskraft in diesen Faellen niemals die Qualitaet jener mathematischen Schluesse.  

Der Mensch ist haeufig versucht, Denkgesetze wie das Induktionsprinzip in der physikalischen Wirklichkeit anzuwenden. Er geht z.B. davon aus, dass bestimmte Naturerscheinungen, wie das taegliche Aufgehen der Sonne oder das Kraehen des Hahnes am Morgen, sich andauernd wiederholen, oder allgemeiner gesagt, wenn er mehrere Erscheinungen oft genug im Zusammenhang hat auftreten sehen, kommt er zu dem Schluss, dass sie immer im Zusammenhang auftreten werden, und beginnt nach Gruenden dafuer zu suchen - oder nach solchen, die dagegen sprechen und die 'Gesetzmaessigkeit' eines Tages stoeren koennten.

Sein Vorgehen laesst sich als 'schwache' oder unvollstaendige Induktion bezeichnen und ist (wie die Existenz des menschlichen Verstandes ueberhaupt) Folge einer relativen Stabilitaet der Welt, in der sich die meisten Dinge und Phaenomene, zumindest innerhalb unseres beschraenkten Erfahrungshorizontes, gleichbleiben oder wiederholen. Jede Erkenntnis von 'Gesetzmaessigkeiten' setzt eine konstant-verlaessliche 'gesetzmaessige' Welt voraus. In einem voellig chaotischen Universum wuerde ein wie immer geartetes intelligentes Wesen das schwache Induktionsprinzip nicht fuer wahr oder apriorisch geltend halten, schon allein, weil sich dieses Prinzip nicht entdecken liesse.

Ich sehe am Himmel 3 Sterne, von denen mir je 2 gleichen Abstand zum dritten haben. Dass sie ein gleichseitiges Dreieck bilden, obschon bei genauerer Messung dies sich als Illusion herausstellen wuerde, ist meine Meinung, wie die, alles Wirkliche sei vernuenftig, auch wenn es sich noch so absurd und irre gebaerdet. Sie ist es vermoege der Stetigkeit und relativen Stabilitaet unserer Umgebungswelt, anderswie und in einer anderen Welt liesse sich nicht (vernuenftig) handeln.

Zwar ist nicht jede Erscheinung moeglich, aber rein hypothetisch denkbar waere in jedem Moment prinzipiell alles, bis hin zum Weltuntergang, aufgrund eines Naturgesetzes, das uns bisher entgangen ist. Keine streng mathematische Logik kann dem widersprechen, und die physikalischen Modelle und Gesetze, mit denen wir die Behauptung des hier und jetzt drohenden Unterganges widerlegen, koennten falsch sein. Koennten; denn jenes Geheimnis der Natur aber, dass nicht alles sofort moeglich ist (und nicht nur aufgrund subjektiver Sichtweisen), ist Teil der sogenannten Objektivitaet, mit der ihre Erscheinungen uns gegenuebertreten, ist Folge der seit Aeonen kalten, flachen Welt, deren heutige Ewigkeit mit der Urknalltheorie nur unzureichend beantwortet ist.

Denn gewiss, wenn ein Punkt genug Energie akkumuliert und damit zur Explosion kommt, fliegt alles weit auseinander und verteilt sich als feiner Nebel im Nichts. Doch wie kam der Punkt zu seiner Energie, wie kam das Nichts?

Vieles was wir ueber die aeussere Natur erkennen, leiten wir aus dem Induktionsprinzip und anderen streng nur in Logik und Mathematik gueltigen Denkgesetzen ab, z.B. aus dem Satz vom Widerspruch, dass ein Ding nicht zugleich eine bestimmte Eigenschaft haben und nicht haben kann. Aber auch hier ist es wie mit dem Induktionsprinzip, dass jener Satz in der Logik (wenigstens in der traditionellen Logik) zwar unzweifelhaft, in der aeusseren Wirklichkeit aber nur in dem Masse gelten kann, wie wir die Objekte der wirklichen Welt nach den Erfordernissen der Logik uns zuschneidern. Meist sind die Begriffe, mit denen wir operieren und die wirkliche Welt zu beschreiben versuchen, nicht ganz so eindeutig bestimmt wie die Aussagen der Logik, und, was man eine 'Eigenschaft' nennt, nicht so klar definiert. Reale Dinge koennen Eigenschaften, wie zum Beispiel die Farbe 'rot', nicht nur ganz oder gar nicht, sondern 'in einem gewissen Masse' besitzen, und wir gewinnen durchaus an Erkenntnisfaehigkeit, wenn wir in der Wirklichkeit auf begrenzte und wohldurchdachte Weise das enge Korsett der zweiwertigen Logik verlassen.

Von dieser ist ohnedies seit Goedel bekannt, dass sie unvollstaendig ist und unbeweisbare (wahre) Aussagen zulaesst, wie die es Kreters Epimenides, alle Kreter seien Luegner. Diese Unvollstaendigkeit haengt mit ihrer diskreten Natur zusammen, denn sie laesst sich auf die natuerlichen Zahlen und deren Unvollstaendigkeit abbilden. Vollstaendige Muster wie die Geometrie oder die reellen Zahlen oder das wirkliche, wilde Denken vermeiden solche Inkonsistenzen, indem sie neben Wahrheit und Falschheit ein kontinuierliches Spektrum von Kategorien zulassen.

Ausserdem gehe ich davon aus, dass die Art unseres Denkens (und Sprechens) genetisch weitgehend festgelegt ist. Kulturelle Praegungen und individuelle Unterschiede sind sicher nicht zu leugnen, aber vermutlich sind die meisten Denk-(und besonders Kommunikations-)strukturen in den Koepfen und Genen aller Menschen fest verdrahtet, gerade auch die komplizierteren, ganz gleich mit welcher Lautfolge sie sie aeussern, und ob wir beim Verneinen nicken oder mit dem Kopf schuetteln. Wir sind daher prinzipiell gar nicht in der Lage, alle moeglichen Logiken zu benennen, zu verstehen oder zu verwenden, sondern nur diejenigen, die uns angeboren sind. Da es also hoechstwahrscheinlich vernunftmaessige Systeme gibt, die uns prinzipiell nicht zugaenglich sind, weder sprachlich noch in Gedanken, koennten wir beim Kontakt mit Ausserirdischen eines Tages ganz schoen Probleme bekommen.

Immerhin teilen wir mir den Ausserirdischen denselben Himmel und dieselben Sterne. Selbst wenn wir ihr Denken und ihre Sprache verstehen würden: Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Daseins werden daher auch sie nicht haben. Damit meine ich zum Beispiel die einfache und fundamentale Frage nach dem letzten Grund und wie überhaupt ein Etwas möglich sein kann, das nicht aus anderen, kleineren Entitaeten 'aufgebaut' ist. Wie ich später erläutern werden, ist die Entstehung von Materie aus dem Nichts durchaus denkbar. Jedoch ist dieses kein absolutes, reines Nichts, sondern ein qualifiziertes, dass die Informationen über die möglichen Materieformen und ihre Wechselwirkungen bereits implizit enthält.

Dagegen stellen sich unserem Verständnis des Urgrundes bzw der endgültig kleinsten Bausteine der Materie erkenntnisphilosophische Einwände entgegen. Salopp formuliert: man kann nichts begründen, ohne etwas vorauszusetzen. Man braucht immer weitere Gründe, oder wenigstens ein Paradigma, um zu immer weitergehenderen Schlüssen zu kommen. Aber vielleicht ist der Urgrund ja so ein Paradigma, ein einfachsten Prinzip, das wir nur im Moment, in Zeiten des sogenannten Standardmodells der Elementarteilchen, allerdings noch nicht verstanden haben.

Eine Metapher ueber das menschliche Bewusstsein

Der menschliche Geist macht sich gern zum Nabel der Welt. Er aehnelt darin einem Linux-system, das die korrekte Rangfolge zwischen Hardware und Software verschleiert, indem es die Software als root vor alle Hardware setzt: root/festplatte_1 ist dann so ein Hardware-Device, waehrend in 'Wirklichkeit' root auf einer der Festplatten angesiedelt ist. So erzeugt sich menschliche Geist die Realitaet als Begriff root/realitaet und dichtet dieser fundamentale Prinzipien root/prinzipien an, wie zum Beispiel das Prinzip der Schoepfung aus dem Nichts, das der Eichsymmetrie oder das der ewigen Wiederholung, in der Form root/prinzipien/prinzip_der_eichsymmetrie usw.

Dabei sind die Dinge an sich vermutlich dumm und wollen von Prinzipien gar nichts wissen. Im Extremfall besitzen sie nur genuegend Kontinuitaet, damit Prinzipien in sie hinein interpretiert werden koennen. Das heisst, in Wirklichkeit stehen die Dinge an sich an erster Stelle, und das Bewusstsein mit seinen Neuronen und Ganglien ist nur eines ihrer Untersysteme: dinge_an_sich/bewusstsein, unter dem die Prinzipien anzusiedeln sind als dinge_an_sich/bewusstsein/prinzipien, und zwar in ihrer materiellen Form als Proteine, Hirnstroeme usw. Diese gehoeren zu der anthropologischen Entwicklung des Menschen, die der Erkenntnis und dem Aufstellen von Prinzipien dadurch Fortbestand garantieren, dass sie erstens gemeinsam verstanden werden koennen, dass heisst sich in den Hirnen die gleichen oder aehnliche Proteine bilden, wenn das betreffende Prinzip diskutiert wird, und dass es sie zweitens bei naechster Gelegenheit zu Aktionen nutzen kann, die ihm das Ueberleben und die Vervielfaeltigung seiner DNS erleichtern. Verstaendlich, dass so ein Ding sich gern als root sehen wuerde.

Instinkt und Vernunft

Ich wuerde sogar soweit gehen, den Verstand des Menschen als eine Sonderform seiner Instinkte aufzufassen. Instinkte koennen bekanntlich in unterschiedlichen Auspraegungen auftreten, mit denen sie in der Lage sind, auf gegebenen Zustaenden des Bewusstseins zu operieren (d.h. auf aeussere Umstaende, die diese Zustaende hervorrufen, zu reagieren). Zum Beispiel reagiert der Fluchtinstinkt J_F auf den Bewusstseinszustand, der durch einen Feueralarm A hervorgerufen wird, wenn dieser vermittelst der Ohren und Nervenbahnen in unser Gehirn gelangt und dort in elektrochemische Signale umgewandelt wird. Die Reaktion J_F(A) besteht im unwillkuerlichen Ducken, sich Umsehen oder gleich die Beine in die Hand nehmen und Davonlaufen bzw, genauer, besteht J_F(A) aus denjenigen Zustaenden des Gehirns, die diese Bewegungen ausloesen. In analoger Weise operiert die Vernunft J_V auf solchen Bewusstseinszustaenden, die aus logischen Problemen L sich ergeben. J_V(L) ist ein Bewusstseinszustand, der normalerweise als Produkt unserer Intelligenz und der Problemstellung aufgefasst wird, im Idealfall also die Loesung des Problems darstellt.

Genaugenommen wird unser Handeln zu jedem Zeitpunkt, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, von mehreren Polen bestimmt. Vernunft, Emotionen, Instinkte usw. Notabene die Vernunft im engeren Sinne hat eine weit geringere Bedeutung als gemeinhin angenommen. Metaphorisch ausgedrueckt, liegt sie in dem grossen, weitraeumigen, vielgestaltigen Universum der Gefuehle wie ein toter Hering in der Sahnesauce. Es ist oft interessant zu beobachten, wie Vernunft und Gefuehle als Player sich abloesen, und zwar, ohne dass besondere Brueche sichtbar werden. Das Gehirn macht das automatisch, ohne die Vernunft um Erlaubnis zu fragen. Eine rationale Revisionsinstanz gibt es gewoehnlich nicht; die Vernunft ordnet sich den Leidenschaften und Instinkten bereitwillig unter. Erfindet gar Argumente, um deren Auswuechse zu rechtferigen. Und wiegt sich hinterher noch in dem Glauben, dass sie die treibende Kraft im Bewusstsein ist. Der Mensch erklaert sich zu etwas Besonderem, den Tieren ueberlegen, weil er meint, seine Instinkte im Zaum halten und mit dem Verstand steuern zu koennen. In Wirklichkeit sind die sogenannten wilden Instinkte von selber im Zaum, sind gar nicht so ungestuem wie gemeinhin angenommen. Siehe die Tiere, deren Handeln und Leben i.a. in durchaus wohlgeordneten Bahnen verlaufen. Umgekehrt steckt hinter der Vernunft als Quelle der Kultur und der Zivilisation gar nicht so viel wie man meinen koennte, stecken nur die mehr oder weniger schematischen Operationen J_V(L), die uns mit unseren Apparaten umgehen helfen. Denn unsere vielgepriesene Kultur besteht in Wirklichkeit nur aus ein paar Apparaten und aus ganz viel Tralala. Apparate sind Gegenstaende, die bei ihrer Produktion so eingestellt werden, dass sie bei ihrer Verwendung durch ein Entropie-Tal laufen, an dessen Ende etwas Nuetzliches oder als nuetzlich Interpretiertes herauskommt. Dies kann eine ungeheuer arbeitsintensive Aufgabe oder, wenn es sich um die Reparatur einer Maschine handelt, mit deren Macken man sich auskennt, sehr einfach sein. In jedem Fall aber stehen nur ein paar schematische Operationen dahinter, die mich daran zweifeln lassen, ob man die menschliche Zivilisation wirklich als etwas Hoeherwertiges auffassen sollte. Natuerlich ist sie etwas Neues, ein in der Naturgeschichte bisher nicht da gewesenes Moment, das sich auf Basis unserer Intelligenz entwickelt hat, ein sehr nuetzliches und durchaus eindrucksvolles Moment. Sie laesst den Menschen Haeuser und Strassen bauen, Musiken spielen und Apparate erfinden, die das Leben erleichtern und schoener und angenehmer machen. Jedoch bezogen auf das Dasein an sich des Individuums ist und bleibt die Vernunft der Gefuehlswelt untergeordnet oder, wenn nicht untergeordnet, so doch nur eine Ergaenzung, ein Wurmfortsatz, der direkt an die Instinkte angekoppelt ist, mit gewissen gegenseitigen Wechselwirkungen und Befruchtungen natuerlich.

Um es auf die Spitze zu treiben: Der Grund, warum ich bin, hat mit meinem 'Ich denke' nichts zu tun. Man wuerde sich wundern, was bei genauerer Betrachtung alles Instinkt ist, wovon man glaubt, es wird von der Vernunft gesteuert. Wobei 'Instinkt' vielleicht nicht das richtige Wort ist. Die Impulse, die hochkommen, wenn ich auf ein Ereignis reagiere, sind ja mit meinem Bewusstsein und den dort ablaufenden Erkennungsprozessen auf engste vermittelt. Man koennte versucht sein, daraus abzuleiten, dass wir letztlich keinen eigenen Willen haben, jedenfalls keinen vernuenftigen Willen. Der Satz 'Ich will das und das', aber auch 'Die Blume ist schoen' geht auf Impulse zurueck, die aus unserem Inneren kommen. Also der Wille, auch der Wille zur Macht, und Empfindungen - von Schoenheit, Ekel, Zufriedenheit usf, alldies ist m.E. urspruenglich tierischer Natur und wird von der Sprache nur ausgekleidet, einer Sprache fast ohne Vernunftkomponente, die nur der verlaengerte Arm der Gefuehle und Leidenschaften ist (i.e., das Tralala).

Das Empfinden von Schoenheit als ein vormenschlicher, tierischer Instinkt? Man muss sie sich nur anschauen, die schoenen Geschoepfe, die die Natur hervorgebracht hat. Niemand soll glauben, ihre Schoenheit waere nur fuer uns Menschen da, wuerde nur von uns Menschen wahrgenommen. Und auch die Vernunft, auch, wo wir mit vernuenftigen Werken Ziele zu erreichen suchen, selbst dort, wo sie zu wahren Hoehenfluegen ansetzt, in der Mathematik oder Philosophie, ordnet sie sich bereitwillig einem anderen unter. Dem Ich naemlich ordnet sie sich unter, der Seele, Psyche oder wie man es nennen will, aus einer (nur teilweise vernuenftigen) bewussten und mehreren mehr oder weniger vor- und unterbewussten Komponenten bestehend, die ich mir als einen brodelnden oder auch still vor sich hin siedenden Topf mit einer trueben, blubbernden Bruehe vorstelle, aus welcher gelegentlich Fontaenen vorschiessen, Jets, Impulse, die uns zum Handeln bringen, aber in vorderster Linie ganz und gar nichts mit dem Verstand zu tun haben. Und diese Impulse, auf die wir in Maassen durchaus einen Einfluss haben, das bestreite ich gar nicht, weil es eine Wechselwirkung mit der Vernunft gibt, und auch mit unserer Wahrnehmung, werden im Gehirn, oftmals an der Vernunft vorbei, in verbale Exklamationen, in Kommunikation umgesetzt: das ist die Rolle der Sprache.

'Sie heizte ihr tolles knallgelbes Cabrio.' Dieser Satz ist voller Metaphern und Lautmalereien und enthaelt offensichtlich eine ganze Menge Emotionalitaet. Aber auch in dem Satz: 'Sie faehrt ein hellgelbes Cabriolet' sind Emotionen enthalten, mehr rentnermaessige. Und der Mathematiker, der die Formel des Pytagoras x^quadrat+y^quadrat=z^quadrat ausspricht und vollinhaltlich versteht, weil man diese Formel in der Mathematik gar nicht oft genug wiederholen kann, der sie fuer ihre Tiefe und formale Einfachheit bewundert, ist nicht frei von Emotionen, der Liebe zur Wissenschaft und zu ihren Zeichen. Ich behaupte sogar, dass diese Emotionen, die auf den ersten Blick zweitrangig, dem Sinn nur beigemischt sind, einen wahrhaft entscheidenden Aspekt ausmachen, weil sie zu weiteren Handlungsimpulsen fuehren, waehrend die blosse Aneinanderreihung logisch aufeinander aufbauender Wahrheiten J_V(L1), J_V(L2) usw ohne diese staendig nachschiessenden Impulse gar nicht vonstatten ginge. Vernunft und Sprache (als ihre Mittlerin) machen dem Homo sapiens das Leben einfacher, weil sie ihm helfen, Bruecken und Schienen zu bauen, mit denen er die aus seinem inneren Dampfkessel vorschiessenden Impulsfontaenen auf effektive und relativ gerade Bahnen lenken kann. Aber sie sind sekundaer. Primaer ist unsere Seele, das haben die Romantiker richtig erkannt. Die Seele macht sie sich nutzbar.

Umgekehrt benutzen Tiere mehr rationale Kommunikation als viele sich vorstellen koennen. Die moderne Primatenforschung hat bewiesen, dass Affen einen relativ differenzierteren Satz-Schatz haben. Zum Beispiel sind die Sender in der Lage, zwischen dem Ruf 'Vorsicht Schlange!' Und dem Ruf 'Vorsicht Leopard!' zu differenzieren. Und diese Laute werden von den Empfaengern auch verstanden. Beim ersten springen sie hektisch hin und her und beim zweiten klettern sie schnell auf die Baeume. Jedoch wird von den meisten Wissenschaftlern bezweifelt, dass es sich bei diesen Warnrufen um sog. intentionale Vorgaenge handelt, das heisst, dass der Sender die Faehigkeit besitzt, einen geistigen Rollentausch vorzunehmen und sich vorstellen kann, wie seine Informationen beim Empfaenger ankommen. - Ich vertrete die entgegengesetzte Position, weil ich meine, dass der Begriff des intentionalen Vorganges viel zu sehr auf die menschliche Art der Informationsverarbeitung abgestellt ist. Auf jeden Fall wird vom Affensender, ob mit oder ohne Intention, vorausgesetzt, dass der Empfaenger auf seinen Ruf entsprechend dessen rationalem Inhalt reagiert, also beim Ruf 'Vorsicht Schlange!' anders als beim Ruf 'Vorsicht Leopard!' und also der Sender sein Verhalten auf diese vorhergesehene Reaktion des Empfaengers abstellen.

Von der mathematischen Wahrheit

Der Mathematik gelingt es, mit formalen Werkzeugen intuitive Vorstellungen zu praezisieren und Vermutungen exakt zu verifizieren. Wir wissen zum Beispiel intuitiv, wenn von einem Punkt ausserhalb einer Sphaere verschiedene Tangenten an die Sphaere gelegt werden, dass dann alle Beruehrungspunkte auf einem Kreis liegen. Wenn wir genauer darueber nachdenken, werden uns vielleicht Zweifel kommen. Wollen wir diese ausraeumen, so werden wir zwangslaeufig zu den analytischen Methoden der Geometrie gefuehrt.

Die formalen syntaktischen Regeln der Beweisfuehrung sind das Hilfsmittel, dessen das praktische Denken bedarf, um vom Meinen zur Gewissheit zu gelangen (indem wir versuchen, auf diesem Wege unsere Vorstellungen ganz sicher zu machen). - Um so mehr, wenn man von Objekten, Abbildungen und Spiegelungen der realen Welt zu rein imaginaeren Wesenheiten uebergeht.

Das formale Vorgehen ist in diesem Fall ein so unverzichtbarer Bestandteil der Mathematik, dass viele geneigt sind zu sagen, es ist die absolute Leitlinie, woran die Wahrheit sich festzuhalten hat. Doch selbst hier, so stellt sich heraus, bedient man sich meist der Intuition, um nichttriviale Eigenschaften solcher imaginaeren Systeme zu entdecken, man rekurriert implizit auf die Vorstellung, die man sich von den imaginaeren Entitaeten macht, und zwar nicht nur, um die Beweise zu straffen, sondern auch, weil sie sich ohne die intuitive Anschauung nicht haetten finden lassen. So schliesst sich der Kreis, der mit einfachen Bildern begonnen hat, die wir uns von der Welt machen. 

Ein weiteres: Mathematische Beweise sind ohne Mithilfe der normalen Sprache (die auf dem gewoehnlichen nicht-formalisierten Denken basiert und ein inhaerent unpraezises vages Werkzeug ist) beschwerlich zu fuehren und zu verstehen. Auch wenn es immer wieder Versuche in dieser Richtung gegeben hat, ein sprachlicher Rest bleibt meist bestehen, zumal bei echten konstruktiven Neuerungen. Vermittels der Sprache werden die Entitaeten definiert, mit denen die Konstruktionen operieren, und auch die Operationen selbst werden durch die Sprache unterstuetzt.

Die mathematische Wissenschaft zerfaellt in 2 Bereiche: einen konstruktivistischen Bereich wie die Geometrie, der der theoretischen Physik nahesteht, und einen analytischen, der am Ende hauptsaechlich Tautologien beschreibt, wenn er nicht auf die Fantasie und Kreativitaet zurueckgreift; denn nur im Zusammenspiel mit der Imagination ist das formal-analytische Vorgehen effektiv und hilft, einen strukturierten Ueberblick zu gewinnen und die Systeme und Modelle, auch wenn sie noch so kompliziert sind, fehlerfrei zu gestalten. Wenn man sich allein auf das Formale verlaesst, geraet man unweigerlich an Goedelsche oder Russellsche Antinomien , die sich, wenn ueberhaupt, nur durch aufwendige Konstrukte bereinigen lassen, an deren Ausgang die urspruengliche Theorie um vieles komplizierter geworden und um wenig vorangekommen ist.

Sowohl den rein imaginaeren Objekten als auch theoretischen Modellen, die wir von der Welt entwerfen, wurde eine ontologische Existenz zugesprochen. Sie existieren in unseren Koepfen als von uns ersonnene und doch unabhaengige Wesenheiten. Und jene (die Koepfe) benutzen das Mittel der Intuition, um einen ersten Zugang und auch eine Freude an ihnen zu gewinnen. Letzteres schafft nebenbei eine lose Verbindung zum emphatischen Begriff der Wahrheit; nur wenn wir eindimensionale Maschinen waeren, denen die formale oder die praktische Erkenntnis ueber alles geht, koennten wir auf die Wahrheit verzichten.

Von der Geschichte

Es gibt Formen des Idealismus, denen am Ende Zweifel an der eigenen Objektivitaet und der Existenz der Welt kommen. (Dazu gehoert z.B. das positivistische Denken, auch wenn es letztlich vor solchen Schluessen zurueckschreckt). Daneben gibt es einen zweiten Idealismus, der sich im Grunde mit dem aufgeklaerten Materialismus trifft: die Vorstellung, dass der Vernunft eine ebenso objektive, materiale Existenz zukommt wie den Dingen; dass allen Gegenstaenden (auch denen des Denkens) die Wahrheit ueber sich selbst assoziiert ist und dass genau dies ihr Sein stabilisiert. Die koerperlichen Objekte muessen der Wahrheit gehorchen, die hinter den Naturgesetzen steht, die geistigen den Regeln der Vernunft.

Die Wahrheit ueber die Gegenstaende kann immer vollstaendiger begriffen werden. Darin laesst sich ein objektives teleologisches Prinzip erkennen, das die menschliche Kultur hoehertreibt. (siehe aber diese Diskussion) Die Geschichte schreitet voran, in dem Masse, in dem der Mensch die Wahrheit ueber die Gegenstaende decouvriert - egal, ob es sich dabei um naturwissenschaftliche, gesellschaftliche oder sonstige Erkenntnis handelt.

Jedoch ist dies kein linearer oder naturgegebener Prozess, da das Auffinden der Wahrheit von den Defiziten unseres Geistes und der Widerspenstigkeit der makroskopischen Materie behindert wird, die uns keinen beliebig praezisen Einblick in ihre nicht sinnlich wahrnehmbaren Teilwelten erlaubt. So stolpert die Erkenntnis mehr als sie schreitet, hangelt sich ueber duerftige Modelle vorwaerts, die von nachfolgenden Wissenschaftlergenerationen nur marginal verbessert werden, so dass die endgueltige Wahrheit praktisch nie zu erreichen ist.

Ein Beispiel: Wir alle wissen, dass in der makroskopischen Natur kein Ding dem Anderen gleicht, so sehr sich auch die Warenwirtschaft bemueht, das Gegenteil zu erreichen. Die Objekte der Teilchenphysik aber gibt es nur in Kopie, d.h. jedes Elektron ist mit jedem anderen genau identisch: im derzeitigen Stadium unseres Wissens bedarf die theoretische Konstitution der Materie recht eigentlich nur eines einzigen Elektrons (plus seiner Kopien) - und so aehnlich verhaelt es sich mit den anderen Teilchensorten, deren Zusammenspiel den Mikrokosmos (oder das Bild, was wir von ihm haben) ausmacht. Ich vermute, jene fuer den Forscher bequeme Eigenschaft der unendlichen Reproduzierbarkeit ist nur aus unserer heutigen beschraenkten Sicht akzeptabel, weil zur Erklaerung der gegenwaertigen (ziemlich klaeglichen und unzulaenglichen) Experimente hinreichend, oder umgekehrt, weil diese Experimente bis heute nicht mehr hergeben als das krude Modell eines sich immer gleichen Elektrons. Elektronen und ihre Feldgleichungen sind eigentlich Universalien, sind Begriffe von Erscheinungen, ueber deren Wesen sie uns nur mangelhaft Auskunft geben. Via Experimentieranlagen wirft 'Datdingansich(Elektron)' Schatten in die makroskopische Welt, und damit sind die Elektronen zuerst Erklaerungsmodelle dieser Schatten.

Als Universalien erfuellen Elektronen uebrigens jene 'starken' Formen der apriorischen Denkgesetze, von denen oben die Rede war, und lassen sich theoretisch daher relativ leicht bearbeiten. Was sich darueber hinaus TATSAECHLICH in der subatomaren Welt abspielt, weiss bis heute niemand.  

Fuer die reine Vernunft mag es wie ein Wunder erscheinen, dass manche Modelle, die wir im Kopf entwerfen, in der Wirklichkeit so gut funktionieren. Wir haben, um ein weiteres Beispiel zu nennen, eine Anzahl Bakterien, die sich auf einem Naehrboden vermehren, und wir koennen praezise vorherberechnen, wieviele es in 2, 3 oder 4 Tagen sein werden. Oder wir erzeugen ein konzentrisches Magnetfeld, und wir wissen aufs Komma genau, wie gross seine Staerke an einem beliebigen Ort in seiner Naehe ist.

Dies laesst sich nur so erklaeren, dass in der Natur etwas vorgeht, was in seiner Essenz von der Berechnungsformel nachgestellt wird. Wenn in einem Rechner ein reales System simuliert wird, z.B. die Erdathmosphaere, und es werden Temperaturverteilungen und Windgeschwindigkeiten errechnet, so 'parallelisieren' die Bits und Zahlen die tatsaechlichen Vorgaenge, wenngleich zumeist unter groben Vereinfachungen. Ein aehnlicher Vorgang der Parallelitaet, vom Allgemeinem zum Besonderem, spielt sich im Intellekt ab, wenn er von konkreten Denkfiguren zu einer abstrakten Theorie uebergeht, welche Aussagen liefert, die sich fuer die konkrete Denkfigur als richtig erweisen. 

Man kann ueber das Niveau der zeitgenoessischen erkenntnistheoretischen Diskussion nur spotten. Die Hauptfrage scheint den Philosophen zu sein, ob kuenstliche Intelligenz prinzipiell moeglich sei, und da kommen solche Beitraege wie das 'Chinese-Room-Argument' von Searle, welches behauptet, kuenstliche Intelligenz sei darum nicht moeglich, weil der Maschine die wahre Bedeutung eines Objektes niemals einsichtig werden kann. Dabei ist klar, die Rechenmaschine koennte nur Einsicht und Phantasie entwickeln, wenn es eine reale Erfahrungsumgebung gaebe, oder zumindest ein inneres Universum, worin sie leben und mit den Objekten arbeiten wuerde. Doch alles, was sie hat, ist ein aseptischer klimatisierter Raum und organische Wesen, die sie mit seltsamen Zeichen fuettern.

Beim Wandern

Es gibt eine extreme idealistische Auffassung, nach der man nicht mehr als seiner eigenen Subjektivitaet sich sicher sein kann. Sie will das "cogito ergo sum" zum einzigen machen, da die Wahrnehmung vom sie Hervorrufenden ein weitgehend Geschiedenes sei und somit leicht ohne es gedacht werden kann und die Existenz des die Wahrnehmung Hervorrufenden daher im Dunkeln liege. Wenn es ueberhaupt existiert, ist es eine unwesentliche 'Zugabe' zum subjektiven Sein.

Tatsaechlich gelten die schoensten Ausblicke des Wanderers einer Natur, die Illusion sein koennte. Wenn ihm aber ueber die Wahrnehmung gelingt, einer unmittelbaren Gefahr zu entrinnen, ueberwindet er die vom Akt der Wahrnehmung provozierte Trennung, und wird an der Welt. Notwendig an der Welt ist nur das Ergriffene; alles andere laesst sich wegdenken, und wird auch weggedacht, sobald man sich auf die naechste Wahrnehmung konzentriert. (Ein weiterer Grund fuer die latente Unbestaendigkeit des Denkens)

Wie dem Wanderer ergeht es dem Experimentator. Dem einen ist das Gesamt des praeparierten Zustandes so abstrakt wie dem Anderen sein weites Tal. Selbst wenn es ihm gelingt, es von oben zu ueberblicken, ist es doch als Zusammenhang weitgehend sinnentleert, (bis auf die Moeglichkeit, einen groben Uebersichtsplan zu erkennen bzw zu erstellen), weil von seiner Existenz abgeschnitten. Ein praktisches Verhaeltnis zum Tal gewinnt er uebrigens auch dann nicht, wenn er die Karte beiseitelegt und die vom Verein vorgeschlagenen Wege verlaesst.  

Von der Arbeit

In Wirklichkeit kann niemand ernsthaft behaupten, dass es aussen nichts gebe. Solange dies aber nur fuer sich ist, ist es fuer uns nichts. Im Prozess der (gesellschaftlichen) Arbeit reift die an-sich-Existenz der Materie zu einem Sein-fuer-uns heran. Die Wirklichkeit der physikalischen Koerper ist absolut, aber fuer uns kein Vermitteltes. Erst indem wir ueber sie nachdenken, treten sie in unser Sein. Wenn wir, wie in modernen Zeiten, an den Dingen nurmehr indirekt arbeiten koennen, weil sie etwa fuer eine direkte Wahrnehmung zu klein sind, entsteht eine neue Art von Naturbeziehung.

Gesellschaftlichkeit der Erkenntnis

Erkenntnis, auch Naturerkenntnis, findet in einem gesellschaftlichen Subjekt statt. Gewiss waere das Denken 'reiner' ohne das Moment des Gesellschaftlichen (besser auf sein Objekt fokussiert), abstrakter waere es nicht (Abstraktion als Folge des Warenverhaeltnisses).

Gibt es eine Naturerkenntnis des Menschen unabhaengig von seiner gesellschaftlichen Existenz? Nein, denn die Erkenntnis der Materie verlaeuft im gesellschaftlichen Subjekt, und das meint mehr, als dass, zum Beispiel, die Produktivkraefte des Mittelalters nur zur Mechanik reichten.

Beispiel: Begriff des Hebels
Dieser setzt sich zusammen aus konkreter, mechanischer Erfahrung und einem Abstraktionsvorgang, der so weit geht, dass er metaphorisch auch auf soziale Vorgaenge Anwendung findet ("Wo laesst sich der Hebel ansetzen?"). Zu einer ausgereiften Theorie der Mechanik ist es vor allem aufgrund ihrer industriellen Bedeutung gekommen. Felder ohne praktischen Nutzen werden ueber kurz oder lang aufgegeben oder auf die lange Bank geschoben.

Zugleich hat, wie oben beschrieben, das Denken eine starke genetisch fixierte d.h. stammesgeschichtlich verfestigte Komponente, die bestimmte Arten der Erkenntnis von vornherein ausschliesst und durch eine spezifische Form vom Abstraktionsfaehigkeit gekennzeichnet ist, in welcher Hierarchien eine grosse Rolle spielen, ganz analog denen, die im Kapitalismus und wohl auch bereits in allen alten Gesellschaften benutzt werden, um Auftraege zu verteilen. Der Subunternehmer als abstraktes Element, ein Grossprojekt gedanklich zu vereinfachen: welcher Arbeiter eine Aufgabe am Ende konkret bewaeltigt, ist dem Hauptunternehmer und seinem Auftraggeber egal. In diesem Zusammenhang sind auch die Einfuehrung und der Siegeszug des Geldes in den menschlichen Gesellschaften zu sehen.

In dem Masse, in dem die Naturwahrnehmungen der Individuen sich verstaedtern oder - via kompliziertes technisches Geraet - nurmehr indirekt vonstatten gehen (da man den Mikrokosmos nur auf dem Umweg ueber Zeiger und Leuchtdioden auf makroskopischen Instrumenten wahrnehmen kann), aendern sich zunaechst das Erkenntnisinteresse, das bei Naturvoelkern voellig auf die einfache Wahrnehmungsumgebung bezogen ist und sich in der westlichen Zivilisation besonders seit der Moderne bestaendig verschiebt, und bald aendern sich auch Begriffe und Paradigmen, so dass zum Schluss die Vernunft selber in den Prozess der Verwandlung einbezogen wird (wenn sich auch darueber streiten laesst, ob ein unveraenderbarer Keim oder Kern der Vernunft ueber alle Zeiten erhalten bleibt). Nicht die Dinge sind im Fluss, sondern unsere Gedanken.

Frueher habe ich so gedacht:

Es gibt keine andere Natur als die in einer Sozialbeziehung erarbeitete. Es gibt auch keine Substanz, aus denen die Elementarteilchen bestehen wuerden, sondern nur die wahrnehmbare Welt, an der sich arbeiten laesst, an der durch Arbeit die Vorstellungen sich erst bilden. Dieses an-der-Welt-werden (im Gegensatz zum in-der-Welt-sein), also die Entwicklung der Produktivkraefte, ist eine Voraussetzung der menschlichen Intelligenz. Mit ihm schreiten auch die Ideen fort, sie gewinnen an Wirklichkeit, je mehr wir uns mit ihnen beschaeftigen.

Es gibt keine natuerliche Existenz des Menschen unabhaengig von seiner gesellschaftlichen. Gesellschaftlich ist das Unbewusste und gesellschaftlich ist auch die Naturwissenschaft. Dennoch sind Individuum und Gesellschaft voneinander geschieden, ein gluecklicher Umstand, welcher der menschlichen Freiheit zugrundeliegt, und mit dieser Vorgabe ist der Mensch zugleich und dennoch in der Lage, als Individuum individualistisch zu handeln (schliesslich ist er keine Biene oder Ameise), und die einen entfernen sich mehr, die anderen weniger aus dem Schoss ihrer Sozietaet, die meisten weniger, und die sich weiter entfernen, halten dabei ein geschicktes Auge, sich nicht allzu selbststaendig zu machen, damit man sie nicht fuer verrueckt erklaert, nur eben so selbststaendig, um a) nach neuen Wegen und Erkenntnissen und Horizonten zu suchen oder b) wenigstens den Eindruck desselben zu vermitteln.

Zeit und Bewegung

Die menschliche Arbeit findet in der Zeit statt und ist eine Bewegung. So ist auch ein physikalisches Experiment Arbeit und Bewegung, und die Strukturen nach denen es sucht, sind zwar die stabilen Strukturen der stabilen Welt, aber sie sucht sie aus der Bewegung heraus zu verstehen, indem man etwa die eine Substanz mit der anderen mischt oder gar bombardiert.  

Experimente studieren die Welt entlang ihrer Stabilitaet und Gleichgewichtszustaende, indem sie kleine Abweichungen von diesen provozieren. Dabei ist diese Stabilitaet nur eine Scheinbare, wie die aller wahrgenommenen Wirklichkeit, beruht auf hunderten von Mikro-Prozessen, die in uns und um uns herum sich abspielen, ohne dass wir besondere Notiz davon naehmen. Es ist allerdings nachgerade eine Konstruktion unserer biologischen oder sozialen Natur, dass wir, besonders wenn wir gesund und jung sind, ueber die tollsten Veraenderungen in unserer Umgebung hinwegsehen koennen, und so dem physikalischen Stetigkeitsplateau, welchem wir unsere Existenz verdanken, gewissermassen entgegenkommen.

(Erkenntnis)theorie und Experiment

Der Gedanke ordnet das Vorgehen waehrend eines physikalischen Experimentes, indem er bestimmte Segmente der Materie, etwas eine Sonde oder ein Strahlrohr, gegenueber anderen Segmenten hervorhebt in einer Weise, welche ueber das normale Erkennen eines Gegenstandes als Teil des Raumes hinausgeht, indem er es naemlich zum Objekt seiner Arbeit macht.

Zugleich bildet er Modelle und Hypothesen. Dabei kondensieren die Erscheinungen zu geistigen Entitaeten, wie Ladung, Spin usw, deren Vorhandensein sich momentan nicht weiter aufklaeren laesst. Der Physiker sucht nach Zusammenhaengen zwischen den Erscheinungen und Entitaeten, und benutzt die Prinzipien der Logik, um seine Modelle zu bestaetigen. (Z.B., wenn er die Zusammenhaenge A==>B und B==>C gemessen-erkannt hat, versucht er, A==>C durch Nachmessen zu verifizieren.)

Wie ein Kunstwerk erst durch seinen Betrachter zur Kunst wird, weil sonst ist es nur tote Materie, wird auch ein Experiment (und jedes zielgerichtete menschliche Handeln, selbst wenn es sein Ziel verfehlt) nur durch den (in seiner Zeit lebenden) Physiker zum Experiment. Wie die Kunst, ist seine Interpretation zunaechst subjektiv; objektiv zum einen durch das kollektive Vorgehen (eine oder mehrere Gruppen von Menschen beurteilen das Experiment), zum anderen durch die Existenz einer aeusseren Welt (physikalischen Wahrheit).

Beispiel: Messung einer Laenge
Frage: Ist die Laenge eine Eigenschaft, welche einem Koerper a-priori ist, oder tritt sie erst mit dem Menschen an den Koerper?
Antwort: Die Frage ist falsch gestellt. Gewiss bedarf es des Subjektes, um seine Laenge zu messen. Ohne Subjekt ist die Laenge zwar keine Eigenschaft, sondern eine Eigenschaft gewissermassen im Rohzustand. Roheigenschaften gehoeren nur der Materie zu.

(Weiterhin koennte man argumentieren: da der Wert der Laenge nur durch ein Subjekt bestimmt werden kann, ist es dem Subjekt unmoeglich festzustellen, welches der 'Anteil' der Roh-Laenge an seinem Ergebnis ist. Jedoch waechst das Verstehen mit der Geschichte und dem technischen Fortschritt.)

Der Wert der Laenge, wie auch jeder mathematischen Wahrheit, ist uebrigens unabhaengig davon, ob er gewusst oder erkannt wird, er hat nur, solange er noch nicht gewusst oder erkannt wird, eine andere Qualitaet.

Beispiel: Der Mathematiker M leitet innerhalb eines Axiomensystems einen neuen Satz her. Die Zusammenhaenge, die dieser Satz beschreibt, haben aber bereits vorher bestanden, und zwar wiederum in jener gewissermassen vorgeburtlichen Form des Noch-Nicht Erkanntseins.

Frage: Hat also auch das Axiomensystem bereits existiert, 'bevor' es formuliert wurde? Kann man sich, allgemeiner, vorstellen, dass Begriffe existieren ohne intelligente Wesen, die sie denken?

Antwort: Begriffe nicht. Jedoch, Begriffe sind immer Begriffe von etwas, und diesem Etwas, worauf sie verweisen, kommt eine objektive Existenz zu (in welcher Sphaere auch immer; die Existenz eines Tisches ist sicher von anderer Art als die von Hexen und Zauberern. Auf jeden Fall laesst sich die Frage, welche BEDEUTUNG das eine oder das andere oder ein bestimmtes axiomatisches System fuer den Menschen hat, nur von ihm (dem Menschen) selbst beantworten.).

Bemerkung: Man koennte den Begriff der Existenz einschraenken und Hexen und Zauberer ebenso ausklammern wie widerspruechliche Axiomensysteme und solche, fuer die kein Modell existiert, diese Einschraenkung haette uns aber nicht zu der Frage gefuehrt, ob es die Wahrheit schon 'vor' dem Menschen gibt. Ausserdem gibt es durchaus Welten in der Natur (z.B. die der Quanten), deren Existenz oder Wirklichkeit von anderer Art als die der wahrgenommenen Realitaet, und erst durch Begriffe vermittelt sind.

Rohe Wahrheit

Was waere die Wahrheit ohne den ordnenden Impuls des Gedankens, koennte man fragen. Ein Rohdiamant ohne Schliff, sage ich, und nenne darum die Wahrheit ohne den menschlichen Geist die Rohwahrheit.

Sich zuzeiten auf sie zu konzentrieren, ist gewiss von Vorteil, denn man sollte nicht vergessen, dass jedes experimentelle Ergebnis zuvoerderst im Rahmen einer bereits bestehenden (und meist ziemlich beschraenkten) Theorie zu verstehen getrachtet wird, dass bereits in den Aufbau der Apparatur die Vorurteile von Modellueberlegungen und heuristischen Erfahrungen eingehen, und somit die Apparatur niemals auf das Ganze der Rohwahrheit geht, welches ein so Unvermitteltes ist, dass es im Mikroskopischen (oder unserem Bild davon), wo die direkte Wahrnehmung, an die alle Unvermitteltheit gebunden ist, unmoeglich ist, keine Existenz hat.

Zur Existenz, und sei es auch nur zu einer von der Theorie entliehenen, gelangt man nur ueber die (theoretischen) Eigenschaften der Teilchen, die 'Ladungen'. Der Abstand von Theoriemodellen und Wirklichkeit scheint uns zu zwingen, sie mit einem meta-physikalischen Moment zu belasten. Jedoch, obgleich nur theoretisch definiert, tragen jene Eigenschaften einen objektiven Charakter in demselben Sinn, in welchem der Abstand zwischen unseren Denkmodellen, der mikroskopischen Wirklichkeit und unserer makroskopischer Wahrnehmung derselben objektiv ist (wenn er auch im Lauf der Geschichte abnimmt), und sind auch nur im Sinne dieses Abstandes meta-physikalisch. Ohne seine Objektivitaet liesse sich ein Naturgesetz nur genau fuer die Konstellationen, in denen das Experiment tatsaechlich gefuehrt wurde, gueltig annehmen.

Zugang zum Mikrokosmos haben wir nur ueber makroskopische Experimente, das wurde schon hervorgehoben, aber auch unsere Ideen und Vorstellungen vom Mikrokosmos, allein schon die Idee von Elementarteilchen, sind durch makroskopische Natur- und sogar Gesellschafts-erfahrungen vorgepraegt. Gibt es also Faelle, wo wir alle bildlichen Vorstellungen aufgeben und uns allein auf die Resultate des mathematischen Formalismus verlassen sollten? Ja, die gibt es, doch laufen wir in diesen Faellen in die Gefahr einer rein formalen Theoriebildung.

Gewiss haben ALLE Vorstellungen und Begriffe, auch die mathematischen, ein 'metaphysisches' Moment, insofern sie rein gedankliche Konstruktionen sind, 'hart' sind nur Materie und ihre Rohwahrheit, 'bevor' ueber sie reflektiert ist. Der Begriff der Materie, des Materials gehoert bereits zur Software des Geistes, auch wenn er der Kreuzungspunkt ihrer Eigenschaften ist, die selber Kreuzungspunkte und Essenz aus vielfaeltigen Experimenten sind, und nur Konstrukte, die sich tastend der Wahrheit naehern, sich in neuen Prozessen und Wechselwirkungen bewaehren oder nicht bewaehren, und am Ende das Wesen der Teilchen konstituieren, das gedachte Wesen wohlgemerkt, so wie wir es uns vorstellen.

Von der Differenz

Objektivitaet und Differenz

Die Wirklichkeit der physikalischen Koerper ist unvermittelt und absolut, alles Nichtidentische, Vermittelte (wie bereits die Aussage, die Wirklichkeit der physikalischen Koerper sei unvermittelt und absolut) kommt durch den Betrachter. Fuer ihn ist sie ein Nichts.

Die Objektivitaet des abstrakten Naturgesetzes erscheint durch Arbeit an der Natur. Experimentieren ist eine Sonderform der Arbeit, welche nicht auf die gesellschaftliche, sondern die natuerliche Reproduktion gerichtet ist.

Behandeln tun wir sie zuletzt nach immer den gleichen Prinzipien der Warenwirtschaft. Wir identifizieren Masse mit Energie, Energie mit Waerme, Waerme mit Arbeit usw. (Dabei ist die Aequivalenz von Energie und Materie gewiss keine Gleichheit!)

Zweierlei Essenzen

Die erwaehnte 'Essenz' meint nur das in einer praeparierten Umgebung zahlenmaessig Erfassbare, eben das fuer uns Essentielle, zum Beispiel, dass wir wissen muessen, welche und wieviele Bakterien uns bedrohen werden. An die Essenz des Lebens jedoch (die Essenz an sich) kommen wir mit unseren Modellen und Vorstellungen nicht heran. - Die Differenz zwischen Signifikat(=Natur) und Signifikant(=Modell) weilt fort, wir sind nicht die Herren des Universums - selbst wenn wir das Genom des Bakteriums bis ins Letzte entschluesseln und damit zu manipulieren lernen. 

Man kann die Differenz auch anders beschreiben, naemlich als NON-UNIVERSALITAET DES PRINZIPS: Die Zuordnung eines hoeheren Prinzips zu konkreten Strukturen ist nicht eindeutig. Es gibt manchmal mehrere Modelle, mit denen wir ein Phaenomen verstehen koennen, und es gibt oft auch verschiedene Phaenomene, die zu einem einzigen Modell passen. Dies gilt sowohl fuer gesellschaftliche, natuerliche als auch fuer theoretische Strukturen und hat Konsequenzen fuer den logischen und ideologischen Aufbau dieser Welten, der sich nicht ohne Brueche vollziehen kann. Unser Denken und ganzes Sein sind keine lineare Bewegung, sondern voller Paradigmenwechsel.

Abstraktes Denken bewegt sich zum Nichts; die Non-universalitaet des Prinzips ist die Grenze dieser Bewegung. Je nachdem, welches der moeglichen Prinzipien man hypostasiert, ist der Weg zum Nichts ein anderer, und zuweilen ist er ganz versperrt. Auch das oberste Prinzip ist mehrdeutig, durchdrungen von seinen Alternativen, und daher ein aufgeklaertes Nichts.