Welt und Wirklichkeit

 

Ähnlich universell wie der Begriff der Substanz ist der der Welt. Diese stellt die Gesamtheit dessen dar, was ist. Die Welt besteht aus der einen Substanz, genauer gesagt aus der Repetition einer kleinsten Einheit der Substanz, und die je vorhandene Wirklichkeit ist gegeben durch den Zustand oder die Zustandsfunktion der Substanz, die auch als Summe von Zuständen der kleinsten Einheiten verstanden werden kann. Unter einem solchen Zustand kann man sich zum Beispiel eine (Schwingungs)anregung der (kleinsten Einheiten der) Substanz vorstellen, oder eine über das ganze Universum verteilte Superposition solcher Anregungen.

Ich lebe in einem komplexen Universum, zu groß, zu langlebig und zu verwirrend, um mir bis ins Letzte begreiflich zu sein. Ich bin Staub, weniger als das; bin nur ein System aus den genannten Schwingungen. Und doch ist diese Welt in vielen Momenten perfekt, wie für mich geschaffen. Sie ist für-mich in meiner Nähe konzentriert; sie bleibt für-mich stehen, wenn sich mein Bewusstsein in den Schlaf verabschiedet oder im Gegenteil für einen Moment auf ein Objekt meiner Anschauung konzentriert. Ich bin vollkommen versunken in dieses Objekt, gehe auf in seine Wahrnehmung oder Bearbeitung. Die Welt und ihre Absurditäten und sonstigen Probleme existieren für meinen Verstand nicht mehr. An diesem Punkt ist die Welt für-mich vollkommen.

Von alters her beschäftigt sich die Philosophie mit dem als Kluft empfundenen Unterschied zwischen Seiendem (kosmos) und Denken (logos) und der Frage, ob das Verhältnis von Denken und Sein ein Gedachtes oder ein Seiendes ist. Die Alternative, ob das Denkende ein materiell Seiendes oder das Seiende etwas Gedachtes ist, hat in der Neuzeit zu den beiden Ausprägungen der Philosophie als Materialismus (Naturalismus) und Idealismus (Positivismus) geführt. Dabei ist zu beachten, dass ein 'Verhältnis' natürlich immer etwas Gedachtes ist, dass jedoch alles Gedachte als Teil unserer Gehirne letztlich zur physikalischen Welt des Seienden gehört.

Denn die Welt, von der ich spreche, ist die reale physikalische Welt. Daneben gibt es in unseren Köpfen Ideen, Gedanken, Imaginationen, durch deren Brille und Inspiration wir die äußere Welt wahrnehmen. Sie sind jedoch eigentlich Teil der größeren, physikalischen Welt, insofern sie aus der Gehirnmasse hervorgehen, in welcher Begriffe und Vorstellungen als Moleküle und Ströme realisiert sind. Auch die Gesellschaft gehört in diesen Seinsbereich, insofern sie aus imaginierten, weil ideenmäßigen Verknüpfungen der Gehirne besteht, die von einer Gruppe von Menschen geteilt werden. Die Verknüpfung erfolgt über die Fernwirkung unserer Kommunikation.

In der Konsequenz führen diese Einsichten zu der dem Materialismus zugeneigten Haltung, dass das Denken ein Seiendes und damit Teil der Welt, genauer des materiellen Kosmos ist. Das Denken ist Teil der Welt, wohingegen die Welt nur als Rezipierte Teil des Denkens ist. Allerdings besteht hier eine dialektische Rückkopplung, da die Bewusstseine zwar objektiv nur Wurmfortsätze der Natur, subjektiv aber das Zentrum des von ihnen gemeinschaftlich konstruierten (Kommunikations- und Interpretations-)Weltzusammenhangs sind und auf diesen sowie durch ihr anschließendes Tun auch auf die Welt Einfluss nehmen können. Die Frage, inwieweit dieser Einfluss von den Gesetzen der Natur determiniert und die menschliche Freiheit daher eingeschränkt ist, wird später diskutiert.

Weil das Bewusstsein ein großes Gaukelspiel ist, kann man alle Wirklichkeit hinterfragen. Um einen festen Punkt zu gewinnen (der zwar objektiv existiert, den ich mir in meinen Konstruktionen des Realen aber künstlich redefinieren muss), gehe ich von dem Paradigma aus, dass es eine absolute Totalität der Weltwirklichkeit gibt. Diese ist dadurch definiert, dass sie alles beinhaltet, was ist. Sie stellt eine einzige, große Totalität dar, und insofern mein Körper und Gehirn unentrinnbare Teile dieser Totalität sind, ist sie für mich absolut.

Es sei explizit betont, dass die Wirklichkeit kein System von Begriffen ist, sondern die Begriffe existieren in unseren Köpfen und sind nur Zeiger des Bewusstseins auf Komponenten dieser Wirklichkeit (oder auf andere Zeiger). Wobei die Auswahl einer solchen Komponente bereits eine Grenzziehung durch das Bewusstsein voraussetzt. Erkenntnis besteht nun eben darin, zu sehen, an welchen Stellen diese Grenzziehungen oder Begriffsbildungen eine Entsprechung in der Wirklichkeit haben. Diese Entsprechung ist in einem etwas unpräzisen Sinn als eine Art von Abbild oder Spiegelung zu interpretieren.

Es sei angemerkt, dass dabei der größere Teil der Wirklichkeit gegen die von der Grenze umschlossenen Bereiche in den Hintergrund tritt. Siehe das Beispiel der Molekülphysik, wo man (neben vielem Anderen) die starke Wechselwirkung der Quarks in den Atomkernen zu Recht vernachlässigen kann.

Die Totalität und Absolutheit der Welt bedeutet aber nicht, dass sie ein Klumpen Einheitsbrei wäre, sondern die Welt ist ein chaotisches und zugleich strukturiertes Agglomeratvon allerlei Anregungsformen, in welchem - zumindest im Gefilde des Gesellschaftlichen - Widersprüche durchaus ihren Platz haben.

Obwohl die Existenz das einzige Merkmal der Weltzugehörigkeit ist, ist der Begriff der Welt keineswegs inhaltsleer, so dass man ihn gar, wie Hegelianer gern behaupten, mit dem Nichts identifizieren könnte. Denn die Welt ist nur samt ihres Inhaltes und ihrer naturgesetzlichen Eigenschaften zu denken. Nota bene ist hier die Rede von der materiellen Welt, also dem Kosmos, d.h. es ist eigentlich das Total der Wirklichkeit gemeint, und nicht jener Weltbegriff, mit dem wir von der Welt der Tiere, der Antike oder der Arbeitswelt sprechen und wo nur Objekte mit gewissen Eigenschaften zu einer Menge zusammengefasst werden. Falls es mehrere Universen gibt, einschließlich ihrer Inhalte und Entitäten, die wir gar nicht kennen, umschließt mein Weltbegriff auch diese.

Der ganze vorliegende Text ist eigentlich ausgerichtet auf die Frage nach dem Sinn des menschlichen und allgemeiner des materiellen Daseins in der sozialen und auch der physikalischen Weltwirklichkeit. Diese bis heute unbeantwortete Frage spielt in der Gedankenwelt sehr vieler Menschen und auch in der Geschichte der Philosophie eine wichtige Rolle. Dabei wird sie von vielen Philosophen für wenig sinnvoll erachtet, oder für unlösbare Metaphysik. Dieses Schicksal teilt auch die verwandte Frage nach dem letzten Grund, also ob es eine objektive, d.h. nicht vom Menschen selbst fabrizierte Letztbegründung für unsere Existenz gibt oder geben kann. Dass unser Denken überhaupt nach der Angabe eines Grundes für das Sein des Seienden verlangt, könnte ungerechtfertigt sein und sich aus der Entwicklungsgeschichte des Gehirns ergeben, welches immerzu nach Erklärungen verlangt, sowie aus unseren alltäglichen Erfahrungen in unserer eigenen, so kleinen Welt. Wie es der Kosmos-an-sich mit dem Grund seines Existierens hält, ist schlicht unklar. Er könnte womöglich grundlos existieren, wie anscheinend alle Dinge-an-sich, und auf jeden Fall so, dass wir mit unserer Art des Verstandes den letzten Grund nie finden werden, sondern jeder letzte Grund wäre wieder auf einen tieferliegenden zurückzuführen und so fort. Ähnlich wie es das moderne Denken inzwischen gewohnt ist, wenn es von den Atomen zu der Quarks und zu immer kleineren Wesenheiten übergeht, wo das kleinere die 'Ursache' für das nächst größere darstellt, das aus ihm zusammengesetzt ist, bis hin zu der Möglichkeit, komplexe biologische und soziale Systeme zu bilden, ohne dass aber jemals ein finaler Grund des materiellen Seins ersichtlich wäre.

Die Theorie des Urknalls sorgt hier psychologisch für eine gewisse Entspannung, nicht weil sie notwendig korrekt wäre, sondern weil sie ein Plateau des Wissens erzeugt, von dem aus der Berg weiterer Fragen allzu steil ansteigt. Man kann sich auf das scheinbar einfache Prinzip zurückziehen, dass am Anfang nichts als auf einen einzigen Punkt konzentrierte Energie gewesen ist, aus dem sich alles andere entwickelt hat, wie sich eben Materie durch Umwandlungsprozesse aus reiner Energie entwickeln kann. Was hinter jenem Punkt liegt, ist so schwer zu ergründen, dass diese Frage kaum je gestellt wird. Dabei wird die Verletzung der uralten Einsicht, dass es in der Physik keine mathematischen Singularitäten geben kann, billigend in Kauf genommen.

Im mikroskopischen 'Tetronmodell' des Autors wird der Urknall durch einen Kondensationsprozess ersetzt, der zu einem elastischen Kontinuum von inneren Tetraedern führt, statt an einem einzigen singulären Punkt zu beginnen. Die nachgewiesene Expansion des Universums ist dann eine Folge der ursprünglich freigesetzten Kondensationsenergie. In diesem Modell zerfällt die Welt nicht nur in einen sozialen Kosmos (d.h. die Gesellschaft von in der Realität tätigen Bewusstseinen) und einen physikalischen, sondern der physikalische Kosmos selbst besteht aus zwei Gefilden, die den Grund des naturalen Seins ausmachen: (i) der Sphäre von Quasiteilchen-Anregungen wie Quarks, Leptonen, Eichfelder usw, also der normalen Materie, die Lorentz-invariante Wellengleichungen erfüllt und (ii) dem Gefilde des aus Tetronmaterie gebildeten elastischen 'Kristalls', auf dem sich die Quasiteilchen bewegen und der eigentlich die 'wahre' Materie, die oben beschriebene Substanz des Kosmos ausmacht. Während diese für Aristoteles eher eine Idee oder eine Art ungeformtes Gestrüpp (hyle) war, existiert sie hier in einem real-materialistischen Sinn, ähnlich einem 3+3 dimensionalen 'Teppich' (ein normaler Teppich ist 2+1 dimensional), als elastisches Kontinuum in einem sechs-dimensionalen Raum. Nota bene, dass jener Teppich uns Menschen als Kontinuum erscheint, weil seine Knoten so klein und nahe benachbart sind (Knotenabstand=Plancklänge). Wegen der bekannten Schwachheit der gravitativen Wechselwirkung ist der Teppich ziemlich flach und die Elastizität durch eine große Steifigkeit gekennzeichnet.

Dass bei der Abkühlung der Tetronen am Kristallisationspunkt ein sehr dünner Teppich und kein ganz 6-dimensionales Gebilde entstand, hängt mit der Form der Wechselwirkung der Tetronen zusammen, die Tetraeder bilden, welche sich in die drei 'inneren' Dimensionen erstrecken und dort nicht 'übereinander' stapeln lassen. Die Notwendigkeit, eine Tetraederform anzunehmen, ergibt sich, weil die Quarks und Leptonen in einzigartiger Weise als ihr Anregungssystem interpretiert werden können. Darüberhinaus entspricht die Teppichkonstruktion der Tatsache, dass die inneren Strukturen eben nicht so groß sein dürfen, dass man hineinschreiten könnte, sonst würde der Mensch sie ja mit seinen Sinnen oder Messinstrumenten wahrnehmen.

Jene Teppichstruktur mag manchem Leser als ein unschöner Aspekt des Modells erscheinen; sie ist aber unvermeidbar, wenn man bei der Beschreibung der Teilchenwechselwirkungen von den allzu großen abstrakten inneren Symmetriegruppen wegkommen will, die allenthalben in der theoretischen Physik angenommen werden, und stattdessen auf einen materialen Ursprung der beobachteten inneren Symmetrien setzt.

Jene alte Art des Denkens begann schon mit Heisenbergs Vorschlag einer inneren SU(2), d.h. dem Isospin von Proton und Neutron, dem im Gegensatz zum normalen Spin kein realer Raum zugrunde gelegt wurde, setzte sich mit dem Vorschlag der Farb-SU(3) für die starke Wechselwirkung fort und endete mit den (supersymmetrischen) Grand Unification Theorien. Das Tetronmodell funktioniert anders, indem Color und Isospin aus einem realen inneren 3-dimensionalen Raum gewonnen werden, in dem eine unabhängige Dynamik stattfindet. Es ist in seiner Schnörkellosigkeit auch den Superstringmodellen überlegen, die in viel größeren 10- oder 11-dimensionalen Räumen definiert sind und zu viel komplizierteren Strukturen und riesigen barocken Symmetriegruppen Anlass geben.

Es gibt in der Fundamentalphysik noch ein anderes Phänomen, für das die Stringtheorien bis heute keine materiale Erklärung geliefert haben: die spontane Symmetriebrechung (SSB) der schwachen Wechselwirkung. Im Standardmodell der Elementarteilchen ist diese mehr oder weniger ad hoc realisiert, durch Einführung des sogenannten Higgsbosons in die Theorie, die vorher nur aus Fermionen und Eichfeldern besteht. Diese theoretische Konstruktion ähnelt dem Ginzburg-Landau Modell für die Supraleitung, mit dem Proviso, dass man es in der Teilchenphysik mit lokalen statt globalen Symmetrien zu tun hat. Für die Supraleitung aber ist hinlänglich bekannt, dass sie aufgrund tiefer liegender mikroskopischer Vorgänge, nämlich die Bindung von Elektronen zu Cooperpaaren, zustande kommt. Für die Teilchenphysik wünscht man sich ähnliches, und tatsächlich wird im Tetronmodell das Higgsfeld als Anregungen von gebundenen Tetron-Antitetron Paaren interpretiert. Die SSB der schwachen SU(2) Isospingruppe ergibt sich aus einem Alignment der inneren Spinvektoren.

Von der Frage nach dem Grund des Seins ist allerdings die nach dem Sinn des Seins zu unterscheiden, weil der Sinn, sofern er existiert, auf einen vom Menschen unabhängigen 'höheren' und zudem eventuell hochgradig vermittelten Zweck gerichtet ist. Dennoch gehören beide Fragen zusammen und sind von vielen Metaphysikern zusammen behandelt worden, beispielhaft in der Form der von Aristoteles gestellten Frage nach dem ersten Einheitsgrund allen Seins. Hegel hat in seiner Phänomenologie den ersten Seinsgrund mit dem Absoluten überhaupt identifiziert. Er versteigt sich sogar zu der Behauptung, alles Einzelne habe sein Bestehen nur im Absoluten. Dies ist einmal mehr schlecht abstrakt gedacht, indem die Fülle der Wirklichkeit, die ja eben nicht nur aus Begriffen besteht, auf etwas Unspezifisches, Formloses reduziert wird.

Zudem ist das Absolute bei ihm eine idealistische Kategorie. Im Rahmen des naturalistischen Konzepts, das ich vertrete, tritt die oben diskutierte materielle Grundsubstanz der Tetronen an die Stelle des Absoluten. Vorteil: sie hat wohldefinierte spezifische Eigenschaften und verkörpert daher ein echtes Material, aus dem sich ein reales Universum konstruieren lässt. Nachteil: sie erfüllt nicht alle Forderungen, die man an einen letzten Seinsgrund stellen würde, etwa weil sie als physikalische Theorie die metaphysischen Fragen nach Sinn und Seinsgründigkeit nur indirekt addressiert. Sie könnte höchstens in einem schwächeren Sinne der letzte Seinsgrund sein - insofern und falls sie eine tiefste Ebene der Materie repräsentierte.

Leider wird man selbst dies mit absoluter Sicherheit nie sagen können, da sich darunter noch Seinsebenen verbergen könnten, die selbst mit allen denkbaren technischen Möglichkeiten von der Menschheit nicht decuvriert werden können. Zusätzlich reduziert wird das Potenzial der menschlichen Erkenntnisfähigkeit duch die früher besprochene grundlegende Beschränktheit unseres Verstandes und die vollkommene Absurdität unseres Daseins, die jede absolute Erkenntnis, jede Sicherheit des Wissens und überhaupt jede Absolutheit a la Hegel unmöglich machen.

Insgesamt kann man die Frage, ob eine Letztbegründung der menschlichen Existenz jemals durch den Menschen selbst vorgenommen werden kann oder nicht, im Moment nicht beantworten. Es ist ein Charakteristikum menschlicher Denkvorgänge, die aus Fragen und Antworten bestehen, dass implizit immer mindestens eine Frage offen bleibt: Warum ist A? Weil B? Warum ist B? Weil C usw. Zum Beispiel kann man A == alle Phänomene der Physik auf B == die Wechselwirkungen von Quarks und Leptonen zurückführen. Woher aber kommt B? Wie oben angedeutet, ist auch C == die Tetron-Theorie eventuell nur ein solcher Schritt auf diesem anscheinend nie endenden Weg der Erkenntnis. Das nie Endende ist dabei geradezu ein Prinzip der Wissenschaft, die, um sich weiter entwickeln zu können, von Zeit zu Zeit auf eine neue grundlegende Frage C stoßen muss. Daraufhin gibt es dann 2 Möglichkeiten: entweder die Frage bleibt nur vorübergehend ohne Antwort, und man wird danach auf D geführt. Oder sie lässt sich nicht beantworten, entweder aus praktisch-technischen Gründen, weil ein experimentum crucis zu aufwändig wäre, um von der Menschheit ausgeführt zu werden, oder aus natur-ontologischen, weil etwa die Messgeräte über die durch die Quantenmechanik bedingten Unschärfen hinausgehen müssten, um C zu beantworten, oder weil der Urgrund des Seienden jenseits des von uns wahrgenommenen Ereignishorizontes liegt und indirekte Schlüsse keine eindeutige Antwort liefern.

In jedem Fall lohnt es sich, die Frage nach der Letztbegründung unserer Existenz noch einmal von einem rein philosophischen Standpunkt aus zu betrachten. Zunächst muss man sich darüber klar werden, dass die speziellen Dinge-an-sich, auf die unser Untersuchungsinteresse jeweils gerichtet ist, vom unqualifizierten 'Etwas' zu unterscheiden sind, einem Begriff, der lediglich als das Gegenteil des Nichts fungiert und eigentlich nur in abstrakten, philosophischen Fragestellungen eine Rolle spielt, etwa bei der Frage, ob es 'natürlicher' sei, dass Nichts oder dass Etwas ist.

Der Natürlichkeitsbegriff ist hier strenggenommen nicht ganz passend. Es geht eigentlich um 2 Fragen:

(i) Warum ist nicht Nichts?

(ii) Warum sind diese speziellen Dinge-an-sich da? Oder, anders gefragt, wozu gibt es diesen Kosmos, der uns unser Leben ermöglicht?

Beide Fragen (i) und (ii) werden von vielen Wissenschaftlern und Philosophen als metaphysisch verworfen. Stattdessen sucht man nach Antworten auf die Frage

(ii') Wie kann das spezielle Etwas, was ist (also die vorhandenen Dinge-an-sich), beschrieben werden? Nach welchen Gesetzen verhält es sich unter den und den Bedingungen?

Auf diese Weise kommt man zu den Standardmodellen der Physik. Und die Philosophie ergänzt dies bestenfalls um Antworten auf die Frage:

(i') Was sind die Bedingungen der Möglichkeit dieser Art von erkennender Beschreibung?

Hauptproblem dabei: selbst wenn man etwas beschreiben kann, in diesem Fall die Phänomene, die von dem speziellen Etwas ausgehen, heißt das noch lange nicht, dass man alle seine Aspekte und insbesondere die tieferliegenden, nicht in die Wahrnehmung springenden, versteht. Sondern es kann sein, dass die gesamte Physik und die Phänomene, die sie betrachtet, nur die Oberfläche eines Systems beschreibt, deren Tiefenstruktur etwa durch die genannten Tetronen gegeben ist.

Wie bereits erwähnt, sind solche Verhältnisse aus anderen, traditionellen Bereichen der Physik wohlbekannt. So kann zum Beispiel das Kochen von Wasser sehr gut durch Landaus Potentialtheorie für Phasenübergänge beschrieben werden, und auch andere Eigenschaften des Wassers lassen sich begreifen, ohne dass man wissen müsste, dass es aus zu Molekülen zusammengesetzten Wasserstoff- und Sauerstoffatomen besteht. Andererseits ist aber doch die molekulare Struktur des Wassers eine Eigenschaft, die man gern kennen möchte, weil sie in manchen Situationen von erheblicher Bedeutung ist.

Man steht hier dem Problem gegenüber, dass nicht nur eine objektiv falsche, sondern auch eine scheinbar perfekte Beschreibung von Phänomenen, die vielleicht noch durch einen faszinierend abstrahierenden Zugang abgerundet, vervollständigt und abgeschlossen wird, den wahren Fortschritt der Erkenntnis verlangsamen würde, falls man bei ihr stehen bliebe, weil zum Beispiel ihre Verfechter die Existenz tiefer liegender Strukturen a priori leugnen. Und genau dies ist die derzeitige Situation in Bezug auf das Standardmodell der Teilchenphysik.

Selbst der Physiker, wenn er zu solchen tiefer liegenden Strukturen gelangen will, wird also (ii') am Ende ergänzen um die Frage:

(iii) Was ist?

d.h. er muss versuchen, die speziellen Dinge-an-sich zu verstehen bis in die untersten Winkel ihrer Existenz. Und es ist dabei durchaus möglich (oder auch nicht, wir wissen es nicht), dass er aus der 'tiefsten', letzten Antwort auf (ii') und (iii) wird ablesen können, was der Urgrund des Daseins ist, dass er also eine Antwort auf die Fragen (i) und (ii) finden wird.