Die Namen der Giganten

Nach meiner Meinung kann man die wirklich grossen Forscher an 10 Fingern abzählen. Die meisten übrigen beschäftigen sich mit dem Ausfeilen bekannter Theorien oder mit der Verwaltung des Wissens. Wer sich für jung und dynamisch hält, rennt gewöhnlich irgendwelchen Moden hinterher. In der folgenden Liste erkennt man, wie dünn die Schicht wichtiger Leute ist.
 
10
9 Einstein 1905/1916
8 Newton 1687 Heisenberg 1925
7 Rutherford 1911 Watson/ Crick 1953 Zweig, Gell-Man 1964
6 Darwin/ Mendel 1859 Maxwell 1864 Meyer 1864 Pauli/ Dirac 1928 Fleming 1930 Yang 1953/57
5
4
3
2
1

In dieser Liste habe ich ich mich auf die Naturwissenschaften beschränkt. Ich habe eine Beurteilung nach Noten von 1 bis 10 vorgenommen. 1 und 2 entspricht der durchschnittschlichen Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit, 3 und 4 würden für einen Nobelpreis reichen. Nur die Noten ab 6 sind angegeben. Auffällig ist, dass ausser Meyer kein Chemiker auf der Liste steht, sondern nur Physiker und Biologen.

Der Ansatz mit Noten mag etwas naiv erscheinen, und ist es wahrscheinlich auch. In Wahrheit sind die Einträge von Darwin, Maxwell, Rutherford, Einstein 1916 und vielleicht noch andere mit Vorsicht zu genießen. Die allgemeine Relativitätstheorie zum Beispiel basiert auf Vorarbeiten von Gauss, Riemann, und neulich habe ich sogar gelesen, dass selbst die Feldgleichungen nicht zuerst von Einstein, sondern von Hilbert aufgestellt worden sind, was vielleicht auch nur darum erwähnt wurde, weil Hilbert einer der Götter der Mathematik ist. Es ist also nicht immer klar, inwieweit die jeweilige Entdeckung nicht 'in der Luft' lag oder ursprünglich von einem Anderen angestoßen wurde, der dann vergessen wurde. Bei Watson/Crick etwa wurden zu der Zeit auch von anderen Leuten Helixmodelle für Grossmoleküle diskutiert. An Experimenten mit Protonen waren ausser Rutherford damals sicher auch andere beteiligt. Es ist dann gewöhnlich so, dass der Gruppenleiter oder derjenige, der sich gut ins Gespräch zu bringen versteht, berühmt wird, während man die übrigen übergeht. Dies kratzt an an dem Bild großer Berühmtheiten, die die Wissenschaft vorangebracht haben, weil es vermutlich mindestens genauso viele gibt, die von der Wissenschaftshistorie aus irgendwelchen Gründen nicht erwähnt werden. An der generellen Einschätzung, dass die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler Mitläufer sind, ändert es allerdings nichts.

Bemerkungen:

1. Zu den Geisteswissenschaften sage ich nichts, da deren Raum erfüllt ist von Gerede und alten Weisheiten und daher noch schwieriger auszumachen, wer dort wirklich wichtiges geleistet hat. Selbst bei Kant würde ich zögern, ihn hier einzuordnen.

2. In der Mathematik fällt es mir ebenfalls schwer, die wahre Bedeutung ihrer Koryphäen richtig einzuschätzen, weil sie ein Fach des Querfeldeindenkens ist, in dem sich die einzelnen Gebiete, von denen es eine ganze Reihe gibt, nur schwer nach Relevanz ordnen lassen. 3. Einstein bekommt nur Note 9, weil er die Quantentheorie nicht richtig verstanden hat.

4. Röntgen, Herz, Curie und andere Experimentalphysiker sind nicht vertreten, weil sie 'nur' partikuläre Phänomene entdeckt haben. Selbst Micholson-Morley wurden nicht aufgenommen, siehe dazu die eher prosaische Geschichte dieses Experimentes, das erst von der Physikhistorie zum Meilenstein gemacht wurde.

5. Planck hat nur eine Messkurve angepasst

6. viele weitere Kandidaten (mit 5 Punkten): Leibniz, Kepler, Kopernikus, Glashow, Feynman, Fermi, Schrödinger, Boltzmann, Kekule, Lorentz, Poincare, Weyl usw.

Man sollte auch berücksichtigen, dass auch die Menge der wirklich wichtigen Probleme überschaubar ist. Von den 100 offenen Fragen, die die Zeitschrift Science für das nächste Jahrhundert auf die Agenda gesetzt hat, halte ich nur einen kleinen Bruchteil für bedeutungsvoll. Hier sind meine Kommentare und auch Lösungsvorschläge zu diesen Fragen.


© Copyright: B. Lampe, 1996

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